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Außer Konkurrenz

REVIEW VENEDIG: „After the Hunt“

Luca Guadagnino legt seinen bislang größten Hollywoodfilm vor mit diesem eindringlichen Drama mit Thrillerelementen. Julia Roberts im Venedig-Beitrag eine Professorin, die in Gewissensnöte gerät, als eine ihrer Studentinnen einen Kollegen und Freund beschuldigt, er habe klar gezogene Grenzen überschritten.

Thomas Schultze30.08.2025 19:39
„After the Hunt“ eröffnet New York Film Festival
Julia Roberts in „After the Hunt“ Sony

Man müsste sich schon sehr weit aus dem Fenster lehnen, „After the Hunt“ als Thriller beschreiben zu wollen. Aber Luca Guadagnino ist so klug, das Thriller-Element in seinem aufwändigsten und zugleich zugänglichsten amerikanischen Film bislang als Katalysator ins Zentrum zu rücken, um daraus das schillernde Porträt einer ambitionierten Philosophie-Professorin in Yale zu entwickeln, die sich in einem Mienenfeld aus Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs gegen einen Kollegen und Freund wiederfindet und von den verschiedenen Parteien gedrängt wird, Stellung zu beziehen. Entscheidend ist, dass das Drehbuch von Nora Garrett offen lässt, was wirklich passiert ist. Der Film zeigt es nicht, er hält sich bedeckt. Man kann sich selbst einen Reim darauf machen, muss es aber nicht. Man kann einer Partei Glauben schenken, muss es aber nicht. Man kann entweder der queeren Schwarzen Studentin Maggie aus reichem Haus glauben, gespielt von Ayo Edebiri aus „The Bear“, die ihrem Professor vorwirft, er habe eine klare Grenze überschritten, als er sie im Anschluss an eine angeregte Soirée in der feudalen Wohnung der von Julia Roberts gespielten Professorin Alma Imhoff nach Hause gebracht hat, oder dem großspurig auftretenden, nicht mit seiner Virilität geizenden Professor Hank Gibson, gespielt von Andrew Garfield, der seinerseits vorgibt, er habe die Studentin in ihrer Wohnung unter vier Augen vielmehr damit konfrontiert, dass sie ganze Passagen ihrer Dissertation kopiert hat. Was sich aus diesem auslösenden Ereignis entwickelt, kann nur wirklich funktionieren, wenn nicht gewiss ist, wer die Wahrheit sagt. Vielleicht ja tatsächlich beide. Der Film stellt zur Diskussion, bezieht aber keine Stellung, ist an den verschiedenen Positionen interessiert und mehr noch an den Charakteren, die sich für sie stark machen, die Menschen hinter der Meinung, ihre Absichten und Ambitionen.

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